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Innerhalb einer Woche waren alle 28 Wohnungen reserviert, nach vier Wochen sämtliche Kaufverträge beurkundet. So etwas nennt man einen Verkaufserfolg. Geschehen in einem neu erstellten Apartmenthaus in Berlin-Mitte, Charlottenstraße. Wie er gelang? Durch zwei Faktoren – davon erzählt diese Geschichte.

Faktor Nummer 1: passgenaue Grundrisse. Vom ersten Tag an kooperierte Michels Architekturbüro mit dem beauftragten Maklerbüro. Deren Vertriebsprofis besaßen eine sehr genaue Vorstellung von der Käuferschaft – und damit eine klar umrissene Zielgruppe, für die sich konkret arbeiten ließ. Aus den zeitgemäßen Grundrissen, die hohen Wohnkomfort und ab dem zweiten Geschoss auch einen Balkon versprachen, entstanden so verkaufsfertige Pakete auf neun Geschossen: perfekte Zweit- oder Drittwohnungen für urbane Menschen, die ihren Koffer in Berlin nicht nur abstellen, sondern auch auspacken wollen. Und damit: perfekte Investments für internationale Kapitalanleger, die gerne hochwertig vermieten. Dabei punktete die weltweit bekannte Lage zwischen Checkpoint Charlie und Gendarmenmarkt.

Faktor Nummer 2: urbane Ästhetik. Die außergewöhnliche Fassade ließ nicht nur Spaziergänger aufschauen, sondern auch den „Tagesspiegel“: Die Berliner Tageszeitung brachte das Apartmenthaus auf ihrer Titelseite. Anlass für die Aufmerksamkeit bot eine selbstbewusste Architektur, die eigentlich aus der Notlage geboren wurde: Das Eckhaus entstand als Solitär ohne Nebenbebauung – und wird als solcher auf absehbare Zeit bestehen. Gebäude dieser Art drohen optisch nach vorne zu fallen, zumal wenn kompakte Balkone die Front beschweren. Um diesen Effekt zu verhindern, entwarf Michels Architekturbüro eine zugespitzte Fassade, die sich nach oben entwickelte, hin zum Erker im obersten Geschoss. Visuell zieht dieser Erker die komplette Front in die Höhe – und krönt sie.

Schlank wie Schuppen schmiegen sich Erker und Balkone an die gläserne Fassade. Filigrane Netze aus Edelstahl umspannen sie. Ihre wohltuende Leichtigkeit wirkt nach innen und nach außen. Passend dazu: Die fein gemaserte Sichtbeton-Aufsicht der Balkone. Sie lässt den Blick verweilen – und hält die Kosten überschaubar. Die wahren Kunstgriffe der Fassade offenbart jedoch erst die Vogelperspektive: Der Eindruck, die Front springe vor und zurück, entsteht allein durch vorgehängte Balkone.

Text: Kerstin Rubel. Publikation: Projektbuch #17 (2017). Herausgeber: Michels Architekturbüro. Bildnachweis: Michels Architekturbüro (Werner Huthmacher)