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Corporate Architecture bringt den Kern eines Unternehmens nach außen. Was aus einem theoretischen Ansatz so alles werden kann, demonstrierte Michels Architekturbüro bei der Firma ELEQ, die 2012 ihren neuen Produktionsstandort im rheinischen Kerpen bezog. Die Firma produziert vorrangig Transformatoren, gewickelte Spulen aus Kupferdraht. Sie nahmen sich die Architekten zum Vorbild und „umwickelten“ das neu entstandene Verwaltungsgebäude mit kupferroten Aluminium-Rohrprofilen. Kernprodukt und Unternehmen verschmelzen – für jeden von weithin sichtbar.

Der überdimensionale „Kupferdraht“ misst eine Länge von insgesamt 1.600 Metern. Seine Spezialeloxierung verfügt über ein reiches Spektrum an lebhaften Reflexionen. Je nach Tageslicht, Witterung und Perspektive verändern sie die optische Wirkung. Montiert auf einer Unterkonstruktion können sich die Profile, die in verschiedenen Winkeln verlaufen, problemlos kreuzen. Schattenwurf und damit verbundene Tiefenwirkung lassen sie wie gewickelt aussehen. Gleichzeitig durfte die Fassadenkonstruktion das Büroleben im Inneren, den Lichteinfall und das Raumgefühl nicht beeinträchtigen. Eine Herausforderung, die glückte, bei der jedoch unzählige Animationen ins Land gingen.

Ein markantes Erscheinungsbild nach außen transportieren und trotzdem kostengünstig bauen – so lautete das ernannte Firmenziel. In Zahlen ausgedrückt: 6.450 qm Brutto-Geschossflächen zu 4.750.000 Euro Baukosten, brutto. Kein leichtes, aber schlussendlich ein erfolgreiches Unterfangen für Michels Architekturbüro. Es plante ein funktionales Entwicklungszentrum auf 5.000 qm für Produktions-, Lager- und Forschungsstätten, dazu ein repräsentatives Verwaltungsgebäude (700 qm) mit besagter Fassade.

Deren kupferroter Glanz erstrahlt in exponierter Lage; unweit von Autobahnanschluss und Umgehungsstraße. Eine bewusste Positionierung, die nicht ohne Folgen blieb: „Ich habe den Eindruck, als Unternehmen anders wahrgenommen zu werden. Denn schließlich haben wir der Stadt auch etwas gegeben“, findet Robert Getreuer, ELEQ-Geschäftsführer. Dabei gehörte schon die Auswahl des passgenauen Standorts zur Architektenarbeit, die mit einer Wirtschaftlichkeits- und Grundlagenanalyse begann. Neben der kommunikationsstarken Lage sollte das Grundstück Expansion ermöglichen. Als Hersteller elektrotechnischer Systeme agiert ELEQ in einem rasant wachsenden Markt. Für seinen neuen Firmensitz waren eine vorhandene Infrastruktur und Wachstumsmöglichkeiten essenziell. „Wer bei ELEQ arbeitet, der ist stolz auf das herausragende Gebäude. Es wirkt identitätsstiftend“, so Geschäftsführer Robert Getreuer. Auf schönste Art und Weise transportiert das kupferfarbene Firmengebäude seinen Unternehmenskern also nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Corporate Architecture, so, wie sie sein soll.

Text: Kerstin Rubel. Publikation: Projektbuch #17 (2017). Herausgeber: Michels Architekturbüro. Bildnachweis oben: Unsplash (Gabriel Silverio), mittig: Michels Architekturbüro (Axel Hartmann)