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„Sie kann es nicht lassen, nach neuen Objekten Ausschau zu halten.“ Das Faible der Hausherrin ist in ihrer Familie wohl bekannt. Und so kam es, dass ihr Blick eines Tages auf ein betagtes Pfarrhaus in der landschaftlich so schönen Eifel fiel. Es kam wie es kommen musste: Kurze Zeit später gelangte das denkmalgeschützte Gebäude in Familienbesitz.

Als historisches Wochenendhaus sollte es von nun an einen Ruhepol zum sonstigen Großstadtleben bieten. Die Ursprünglichkeit des alten Gemäuers, dessen Grundstück direkt an eine alte Hofanlage und eine mittelalterliche Kirche anschließt, schien dafür ideal. So galt es für Michels Architekturbüro den gewachsenen Charakter zu wahren und gleichzeitig – in Mauern von 1750 – zeitgemäßes Wohnen zu ermöglichen.  Zunächst fielen, der offenen Raumfolge zuliebe, einige Innenwände. Enge Zimmer wichen einer befreienden Weitläufigkeit. Danach schufen bodentiefe Fenster direkten Zugang zum Garten und brachten Helligkeit ins Innere. Behutsame Restaurationen – etwa der Stuckdecken – kamen den charakterstarken Räumen zugute. In einem ebenfalls historischen Nebengebäude fand sich zudem Platz für die komfortable, da hausintern zugängliche Garage. Zudem stand eine umfassende energetische Sanierung an: So verstecken sich unter dem fein polierten Sichtestrich heute sowohl Wärmedämmung als auch Fußbodenheizung. Sie sorgen selbst in mächtigen Mauern für wohligen Wohnkomfort und stete Grundtemperierung. Ein zweiter Heizkreislauf beschickt zusätzlich eingebrachte Radiatoren. Sie lassen sich über Funk ansteuern und bereiten das Haus für spontanen Wochenendbesuch vor.

Und nicht zuletzt galt es auch dem Faible des Hausherrn Rechnung zu tragen: Denn sein Herz gehört der Hausherrin – und der Poesie. Für die Gedichte, die er selbst verfasst oder die ihm schlichtweg gefallen, reservierte Michels Architekturbüro eine eigene Wand. Mit Tafelfarbe gestrichen trägt sie nun immer neue Kreidezeilen. Ganz nah der Feuerstelle.

Text: Kerstin Rubel. Publikation: Projektbuch #17 (2017). Herausgeber: Michels Architekturbüro. Bildnachweis erstes Foto: Shutterstock (Separisa), nachfolgend: Axel Hartmann