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Einer für dich, einer für mich: Von einer Bienenweide, die aus aromatischen Gewürz- und Küchenkräutern besteht, profitieren gleich zwei: die fleißige Insektenschar und die eigene Küche. Pflanzenarzt René Wadas erklärt, wie leicht sich Balkonkästen und Gartenbeete – mit Dill, Borretsch oder Thymian – in blühendes Insektenfutter verwandeln lassen.

Weshalb eignen sich Küchen- und Gewürzkräuter als Insektenfutter?

„Unsere Kräuter produzieren reichlich ätherische Öle, deshalb schmecken sie uns so gut. Und deshalb lockt ihr Duft Insekten an. Welche das im Einzelnen sind, hängt von der jeweiligen Blütenform ab. Doldenblütler wie Dill oder Fenchel können beispielsweise alle leicht anfliegen, selbst die breit gebaute Hummel. Sie sind so etwas wie ein Insektenlandeplatz, da ist richtig was los.“ 

Welche Kräuter können Sie außerdem empfehlen?

„Rotes Basilikum ist bei Wildbienen ungeheuer beliebt, es entwickelt viele duftende Blüten, das Gleiche gilt aber auch für den ganz normalen Schnittlauch. Borretsch wächst wie verrückt, er lässt sich leicht im Kübel aussähen und blüht den ganzen Sommer über. Weniger bekannt ist Ysop, das Eisenkraut, es wird nicht umsonst Bienenkraut genannt. Es blüht, tiefblau, von Juli bis September. Sein Geschmack erinnert an Thymian, er ist ein naher Verwandter.“

Ich habe gelernt, dass Blüten von Küchenkräutern, wie etwa Schnittlauch oder Borretsch, abgeknipst werden müssen, damit die Blätter nicht ihre Würzkraft verlieren. Was ist da dran?

„Wenn eine Pflanze geblüht und ihre Frucht angesetzt hat, wächst sie nicht mehr so stark, sie hat ihren Dienst getan. Deshalb ist es eine gute Idee, einen Teil regelmäßig abzuernten, also für mich zu nutzen, und einen anderen Teil der Natur zu überlassen.“ 

Wenn ich in meine Balkonkästen insektenfreundliche Kräuter setzen möchte. Was muss ich bedenken?

„Alle mediterranen Kräuter wie Salbei, Basilikum oder Rosmarin gehören in die volle Sonne und brauchen einen mageren, durchlässigen Boden mit wenig Nährstoffen. Es gilt die Faustregel: weniger Stickstoff gleich mehr Aroma. Anders sieht das bei den heimischen Pflanzen aus, deshalb sollte man sie auch in einen anderen Kasten setzen als die mediterranen. Petersilie, Schnittlauch oder Majoran benötigen viel Dünger. Ich rate zum Naturdünger, der belebt den Boden, hat aber nicht zu viel Stickstoff und die angebauten Pflanzen lassen sich auch unbedenklich essen. Für alle Kräuter ist übrigens Staunässe Gift. Deshalb empfehle ich, beim Pflanzen Sand unter die Erde zu mischen, so bleibt sie durchlässig.“

Beim Stichwort „unbedenklich essen“ kommt mir das Thema Pflanzenschutz in den Sinn. Was tun, wenn die Schützlinge von Parasiten heimgesucht werden?

„Blattläuse gehören, genau genommen, ja auch zu den Insekten, sie dienen dem Marienkäfer als Futter. Um meine Pflanzen zu schützen, muss ich also nicht alle ausrotten, sondern kann zu einer milden Lösung greifen, die auch für mich unbedenklich ist. Füllen Sie in eine Sprühflasche 20 Milliliter Raps- oder Sonnenblumenöl und einen Liter Wasser, das Sie vorher erwärmt haben – das ist wichtig, damit sich beides vermischt. Immer wieder kräftig schütteln und versprühen. Das hilft.“

Was gilt es, noch zu beachten?

„Nichts weiter. Entscheiden Sie aus dem Bauch heraus, nehmen Sie die Kräuter, die Sie selbst auch gerne mögen. Sie müssen keinen Lehrgang machen, um Bienenfutter anzupflanzen. Wichtig ist nur, dass man es tut und dass es nicht beim Nachdenken bleibt.“

Welches Küchenkraut mögen Sie selbst am liebsten – also auf dem Teller?

„Basilikum, da geht es mir wohl wie den meisten. Zusammen mit frischen Gartentomaten ist es einfach unschlagbar. Ich schätze in der Suppe aber auch Maggikraut. Es ist ein bisschen aus der Mode gekommen, ist aber immer noch lecker. Thymian gehört auch zu meinen Favoriten. Wir haben ihn an die Südseite unseres Hauses angepflanzt – als Bodendecker. Die Insekten lieben ihn da.“

Thymian als Bodendecker – das ist eine hübsche Idee. Haben Sie noch so eine?

„Winter- oder Frühlingszwiebeln machen sich gut in einem großen Kübel, sie lassen sich ganz leicht aussähen. Wir ernten daheim die einzelnen Blätter und verarbeiten sie frisch in der Küche. Irgendwann lassen wir die Zwiebeln dann wachsen und sie bekommen prächtige weiße Blüten. Die große Holzbiene, eine dunkle, bläulich gefärbte Wildbiene, kommt jedes Jahr bei uns vorbei und schaut, wann es wieder so weit ist.“ 


René Wadas hat als „Pflanzenarzt“ mehrere Bücher geschrieben, mit denen er kränkelnden Blumen, Sträuchern und Bäumen – als auch ihren Besitzern – zur Seite steht. Der Gärtnermeister ist häufig in den Medien zu Gast und daher bundesweit bekannt.


Text: Kerstin Rubel. Publikation: Gewürz- und Kulinarikmagazin „pfeffer“ (01/2020). Herausgeber: Fachverband der Gewürzindustrie. Bildnachweis: Unspash (Justus Menke, Lyubka Stoyanova)